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Internationaler Tag der Pflege: Pflege gehört in den Mittelpunkt!

Der internationale Tag der Pflege wird jedes Jahr am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, Begründerin der westlichen Krankenpflege, begangen. Dieses Jahr steht er unter dem Motto „A voice to lead – für eine Gesundheitsversorgung mit Zukunft.“ Seit langem weisen professionell Pflegende sowie pflegende Angehörige auf die schwierigen Bedingungen in der Pflege hin und darauf, dass Pflege eine höchst relevante Aufgabe ist, ohne die eine Gesellschaft nicht auskommen kann.

Sofia Leonidakis, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, erklärt dazu:

„Es spricht Bände, dass erst seit der Corona-Krise in der breiten Öffentlichkeit von der Systemrelevanz der Pflegeberufe die Rede ist. Pflege und Sorgearbeit sind Tätigkeiten, die noch immer zu wenig Anerkennung erhalten, oder die Anerkennung spiegelt sich nicht auf der Gehaltsabrechnung wider. Wir brauchen eine grundlegende Aufwertung der Pflege und Sorgearbeit! Dazu gehören angemessene Tariflöhne und Arbeitszeitmodelle, die Pflege vereinbar machen mit Familie und lebenslanger Berufstätigkeit.

Im Bereich der Pflege wurden immerhin zwei wichtige Errungenschaften in den letzten Jahren durchgesetzt. Mit dem Pflegebudget ist die Pflege aus den Fallpauschalen herausgenommen, so dass es sich für Krankenhäuser endlich nicht mehr auszahlt, ihre Pflegekräfte herunterzusparen und maximal zu belasten. Mit der generalistischen Pflegeausbildung ist eine einheitliche Ausbildungsvergütung für die Pflege über einen Umlagefonds abgesichert. Diese Etappenschritte sind gut, beim nächsten Schritt hakt es aber schon wieder. Nachdem die Caritas bei der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifbezahlung ausgeschert ist, streitet sich die Bundesregierung über die Tarifbindung per Versorgungsauftrag. Und auch das wäre nur ein kleiner Schritt in Richtung Aufwertung, denn die Tarife sind insgesamt zu niedrig, und untertarifliche Bezahlung wäre damit trotzdem nicht abgeschafft – insbesondere in der Altenpflege und bei ambulanten Pflegediensten, die sehr oft auch kommerziell geführt werden. Die zwischen Kassen und Krankenhäusern bereits ausverhandelte Pflegepersonalbemessung, die PPR 2.0, muss jetzt auch allgemeinverbindlich eingeführt werden.

Corona hat allen vor Augen geführt, dass ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen die Pflege in den Mittelpunkt stellen muss. Das ist nur möglich, wenn endlich anerkannt wird, dass Pflegetätigkeiten – im Krankenhaus, in der Altenpflege und zu Hause – extrem anspruchsvolle, verantwortungsvolle und systemrelevante Aufgaben sind, die angemessen bezahlt werden müssen. Gesundheit ist ins Zentrum der politischen Debatte gerückt. Dem müssen jetzt Schritte folgen, die Pflegekräfte so zu bezahlen und in ihren Arbeitsbedingungen so abzusichern, wie es für eine systemwichtige Tätigkeit notwendig und angemessen ist. Auch für die Pflegenden zu Hause müssen sich die Bedingungen ändern, etwa indem die Pflegezeit ähnlich dem Elterngeld besser abgesichert und anerkannt wird.

Wenn die jüngsten Verbesserungen auch zu begrüßen sind, sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir immer noch eine deutliche Unterbewertung dieser für viele lebenswichtigen – überwiegend durch Frauen* ausgeübten – Sorgearbeit haben. Die Pflege ist somit Inbegriff der Betroffenheit von Frauen* durch ein geschlechterdiskriminierendes Lohngefüge. Das muss sich ändern!“