Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Deutlicher Einbruch durch Corona: Weniger Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder werden in Anspruch genommen

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie haben Familien mit geringem Einkommen oder in Sozialleistungsbezug deutlich weniger Zuschüsse für Lernförderung und Freizeit aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) für ihre Kinder in Anspruch genommen als noch im Jahr 2019.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im Land Bremen Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhalten haben, ist von 26.625 im Jahr 2019 auf 30.753 im Jahr 2020 gestiegen – Ausdruck der coronabedingten Härten, die viele Familien getroffen haben. Allerdings haben Familien mit geringem Einkommen oder in Sozialleistungsbezug seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich weniger Zuschüsse für Lernförderung und Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für ihre Kinder erhalten als noch im Jahr 2019. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Frage der Fraktion DIE LINKE für die Fragestunde in der Bremischen Bürgerschaft an diesem Donnerstag hervor.

Für Sofia Leonidakis, sozial- und kinderpolitische Sprecherin und Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, sind die Zahlen Ausdruck der schweren sozialen Folgen der Corona-Pandemie: „Die gestiegene Inanspruchnahme von Leistungen für Bildung und Teilhabe spiegeln wider, dass Familien während der Krise in Existenznöte geraten sind. Dass während der Kita- und Schulschließungen gelungen ist, wenigstens Lebensmittel- und Lunchpakete auszuhändigen, begrüßen wir. Es ist zudem nachvollziehbar, dass die Zuschüsse für Schulausflüge und Klassenfahrten gesunken sind, schließlich haben viele Schulen sie abgesagt.

Nicht nachvollziehbar hingegen ist die gesunkene Gewährung von BuT-Leistungen für Lernförderung, sprich Nachhilfe. Wir alle wissen, wie sehr der Wechsel- und Distanzunterricht insbesondere Kinder aus einkommensarmen Familien, die in beengten Wohnverhältnissen leben, getroffen hat. Dass in dieser schwierigen Lage im Land Bremen die Lernförderung von 2019 auf 2020 um über 60 Prozent gesunken ist und sich diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2021 fortgesetzt hat, muss große Sorgen bereiten. Gerade während der Pandemie waren und sind ergänzende Lernförderungsangebote dringender notwendig denn je!“, so Leonidakis.

Während im Jahr 2019 noch 3696 Kinder und Jugendliche aus Bremen und Bremerhaven BuT-Leistungen für Lernförderung erhielten, bekamen im Corona-Jahr mit den Einschränkungen beim Präsenzunterricht und den entsprechenden Folgen für die Schüler*innen nur noch 1438 Kinder und Jugendliche geförderte Nachhilfe – ein Rückgang von 61%.

Auch bei den Leistungen für soziale und kulturelle Teilhabe ist ein Rückgang zu verzeichnen. Während im Jahr 2019 noch 3437 Kinder in Bremen und 972 Kinder in Bremen die Leistungen nutzen, um Sport im Verein nachzugehen, ein Musikinstrument zu lernen oder in anderer Art und Weise in der Freizeit aktiv zu sein, waren es im Jahr 2020 in Bremen nur noch 2719 und in Bremerhaven 725 Kinder. Man erkennt hier deutlich die sozialen Folgen der Pandemie für Kinder, die sie in vielerlei Hinsicht der unterschiedlichen Erfahrungen und Möglichkeiten im sozialen und kulturellen Bereich beschnitten hat.

„Was unsere Alarmglocken läuten lassen sollte“, so Leonidakis weiter, „ist die Tatsache, dass bei weitem nicht für alle leistungsberechtigten Kinder diese Leistungen in Anspruch genommen werden. So waren 2019 im Land Bremen allein 35.223 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Bezug von SGB II-Leistungen. Jedoch haben nur 26.625 Minderjährige Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhalten. Wir müssen durch gute Beratung in den Ämtern, Schulen, Vereinen und Beratungsstellen dafür sorgen, dass die Kinder das erhalten, was ihnen zusteht. Soziale und kulturelle Teilhabe sowie Lernförderung sind wesentlicher Faktor für gute Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder“.

Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket stehen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zur Verfügung, um einen Zuschuss zu Mitgliedschaften in Sportvereinen oder anderen Freizeitangeboten aus den Bereichen Spiel, Kultur und Kunst zu erhalten. Auch Lernförderung oder Schulausflüge können hierüber finanziert werden. Daneben erhalten Kinder und Jugendliche das Mittagessen in Kitas und Schulen kostenfrei. Anspruchsberechtigt sind Kinder, deren Familien Leistungen nach SGB II, Sozialgeld, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Kinderzuschlag oder Wohngeld erhalten.

Unter folgendem Link finden Sie die Fragen und Antworten des Senats (Frage 6): www.bremische-buergerschaft.de/fileadmin/user_upload/Dateien/plenar/20_29L_Fragestunde.pdf