Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Abstand halten muss möglich werden!

Am 7. April waren in der Landesaufnahmestelle (LASt) in Vegesack drei Infektionen mit SARS-CoV-2 bekannt. Heute hat Sozialsenatorin Anja Stahmann bekannt gegeben, dass sich rund 120 der 374 Bewohner*innen infiziert haben.

Im Hinblick auf diese extrem hohe Infektionsrate kommentiert Sofia Leonidakis, Vorsitzende und fluchtpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE: "Seit Beginn der Umsetzung der Maßnahmen gegen das Coronavirus fordern die in der LASt untergebrachten Menschen, sich vor einer Infektion schützen zu können. Nun ist genau das Szenario eingetreten, das alle Protestierenden befürchteten: Ein Drittel der derzeitigen Bewohner*innen hat jetzt Corona. Offensichtlich war es für die Bewohner*innen der LASt bislang nicht möglich ausreichend Abstand halten zu können. Das kann so nicht weiter gehen."

Nun braucht es Pläne, wie nach einer jetzt leider unvermeidbaren Quarantäne künftige erneute Quarantänen vermieden werden sollen.

"Eine Dauerquarantänisierung in Räumen, deren Fenster nicht einmal geöffnet werden können, ist unzumutbar. Die LASt kann zur Isolations-Erstaufnahme aus anderen Bundesländern oder aus Griechenland dienen, als Wohnunterkunft für mehrere Hundert Menschen ist sie zumindest während der Pandemie ungeeignet. Die Bewohner*innen der LASt in andere Wohnheime zu verlegen, die dann noch voller werden, würde das Infektionsrisiko nur verlagern. Deshalb braucht es die Anmietung zusätzlicher Kapazitäten. Pensionen und Hotels stehen leer. Gewaltbetroffene Frauen werden jetzt auch so untergebracht, weil die Frauenhäuser voll sind. Im Zuge der Fluchtbewegung 2015/2016 gelang das auch. Warum also nicht jetzt? Oberste Maxime muss sein: Die Bewohner*innen, die in staatlichem Auftrag untergebracht werden, müssen sich wie alle anderen vor einer Infektion schützen können. Das haben wir noch nicht erreicht. Ich bin wahnsinnig froh, dass die Krankheitsverläufe bisher nicht schwer sind. Auch deshalb haben wir die Verantwortung, alles Nötige und Mögliche zu unternehmen, um das Infektionsrisiko zu mindern. Da dürfen Hotels und Pensionen kein Tabu sein", so Leonidakis abschließend.

Das Leipziger Verwaltungsgericht urteilte gestern, dass ein klagender Bewohner einer Erstaufnahmeeinrichtung nicht weiter dort wohnen muss, da es ihm durch die Wohnverhältnisse nicht möglich ist, die sächsische Corona-Schutz-Verordnung einzuhalten.