15. Mai 2018

Linksfraktion fordert gesetzliche Fall-Obergrenze im Bremer Jugendamt

Jugendämtern fehlt häufig die Zeit und das Personal, um ihren Aufgaben zum Schutz von Kindern nachzukommen. Dies ergab eine aktuelle Studie der Hochschule Koblenz. Die Bremer Linksfraktion reicht jetzt einen Antrag in die Stadtbürgerschaft ein. Darin fordert sie die Einführung einer gesetzlichen Fall-Obergrenze von maximal 28 Fällen pro Vollzeit-Casemanager*in.

Sofia Leonidakis, kinderpolitische Sprecherin der Linksfraktion erklärt: „Effektiver Kinderschutz kann nur stattfinden, wenn die Casemanager*innen ausreichend Zeit für die zu betreuenden Kinder, Jugendlichen und ihre Familien haben. Vor nicht allzu langer Zeit betreuten die Casemanagerinnen und Casemanager im Jugendamt durchschnittlich über 70 Fälle. Mit einer derartigen Fallbelastung ist es unmöglich, sich angemessen um gefährdete Kinder und Jugendliche, um Familienhilfen, Beratung, Hilfeplanung, Gerichtsverfahren, Inobhutnahmen, Kooperation mit Freien Trägern, Sozialraumvernetzung und Falldokumentation zu kümmern. Diese für die Kinder, Familien und Sozialpädagog*innen unzumutbaren Bedingungen sind inzwischen verbessert worden. Eine langfristige Stabilisierung bedeutet das aber nicht, der Fachkräftemangel macht sich auch im Jugendamt bemerkbar. Es ist notwendig, verlässlich und langfristig gute Bedingungen für die enorm wichtige Aufgabe des Kinderschutzes festzuschreiben. Die Ausstattung der Allgemeinen Sozialdienste in den Jugendämtern ist völlig unreguliert und kann je nach Haushaltslage, Verfügbarkeit von Fachkräften, Personalplanung, Fallaufkommen oder politischer Prioritätensetzung schwanken. Die ver.di-Forderung nach einer Fallobergrenze von 28 Fälle pro Casemanager*in beruht auf Praxiserfahrungen aus Jugendämtern aus ganz Deutschland. Aus unserer Sicht ist eine solche verlässliche Fallobergrenze unabdingbar, um langfristig angemessene Bedingungen für guten Kinderschutz festzuschreiben. Die Republik hat sich viel zu lange mit komplett sinnlosen Obergrenzen-Debatten aufgehalten. Es ist an der Zeit, endlich sinnvolle Diskussionen zu führen wie über die Fallobergrenze im Jugendamt“, so Leonidakis abschließend.