19. Dezember 2018

Linke Politik wirkt: Antrag zum Verbot geschlechtszuweisender Operationen an Kindern von der Bürgerschaft angenommen

In Deutschland leben bis zu 160.000 Menschen, die mehrere Geschlechtsmerkmale aufweisen und nicht eindeutig 'weiblich' oder 'männlich' sind. Viele intergeschlechtlich geborene Babys und Kinder werden jedoch medizinisch nicht notwendigen geschlechtszuweisenden Operationen unterzogen. DIE LINKE lehnt diese sogenannten Genital-OPs ab, da den Kindern dadurch jede Entscheidungsfreiheit genommen wird und sie erwiesenermaßen zu einem erhöhten Risiko psychischer Erkrankungen führen. Die Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft hat daher einen Antrag eingereicht, in dem sie den Senat auffordert, sich mit einer Bundesratsinitiative für ein Verbot dieser geschlechtszuweisenden Operationen an intergeschlechtlichen Babys und Kindern einzusetzen. Darüber hinaus sollen Ärzt*innen in Bremen und Bremerhaven gendersensibel geschult werden.

Sofia Leonidakis, queerpolitische Sprecherin, sagt dazu: „Die Regierungskoalition hat sich in der Bürgerschaft unserem Antrag angeschlossen. Für uns ist das ein Riesenerfolg, der hoffen lässt, dass der Verletzung der körperlichen Unversehrtheit und der Selbstbestimmung der Betroffenen bald ein Ende gemacht wird. Nicht Ärzt*innen oder Eltern sollen über das Geschlecht eines Kindes entscheiden, sondern die Betroffenen müssen selbst entscheiden dürfen, wenn sie alt genug sind. Der Bremer Senat wird sich nun im Bundesrat für die Belange der intergeschlechtlichen Babys und Kinder in Deutschland stark machen. Zudem sollen auch die Ärzt*innen in Bremen und Bremerhaven geschult werden, um bis zur Umsetzung eines Verbots keine medizinisch nicht notwendigen OPs mehr durchzuführen. Ich freue mich, dass wir die Koalition von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen überzeugen konnten. Das zeigt, dass der gemeinsame Kampf queerer Selbstorganisationen und der LINKEN für geschlechtliche Vielfalt in unserer Gesellschaft wirkt.“

Leonidakis weiter: „Sehr bedauerlich ist es aber, dass der gestern verabschiedete Gesetzentwurf der Bundesregierung zur dritten Option die Zwangsoperationen weiterhin ermöglicht und die Zwangsbegutachtung durch entwürdigende medizinische Untersuchungen aufrechterhält. Das Gesetz in der jetzigen Form vertut die Chance, andere Geschlechter als ‚weiblich‘ und ‚männlich‘ endlich anzuerkennen und zu entpathologisieren und liegt sehr weit davon entfernt, den Menschen gerecht zu werden, die vom Gesetz profitieren sollen. Umso notwendiger erscheint vor diesem Hintergrund die von uns angestoßene Bundesratsinitiative.“