7. Juni 2017

Kita-Statusbericht II: Vorerst Entwarnung, aber kein Anlass zum Zurücklehnen

Die Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft zeigt sich über den von Senatorin Bogedan vorgelegten Statusbericht II, der die bereinigte Abdeckung der Anmeldungen von Kindern in Kindertageseinrichtungen aufzeigt, vorsichtig optimistisch. „Aktuell sieht es so aus, als würde sich das Desaster vom letzten Jahr nicht wiederholen. Da wir zurzeit schon froh sind, wenn Katastrophenmeldungen ausbleiben, kann man das als gute Nachricht für viele Kinder und Eltern werten", kommentiert Sofia Leonidakis, kinderpolitische Sprecherin der Linksfraktion, die vorgelegten Zahlen.

„Als letztes Jahr 1.700 Kinder unversorgt waren, sind die Verantwortlichen endlich aufgewacht. Das Ressort hat seitdem in Zusammenarbeit mit den Trägern wirklich einiges auf die Beine gestellt. Jetzt wird geliefert, das erkennen wir an. Langsam aber sicher verlässt Bremen den rechtswidrigen Zustand. Die Zahlen geben zwar Anlass zu vorsichtigem Optimismus, eine Entwarnung sind sie aber noch lange nicht."

„Im Vergleich zum Statusbericht I vom Februar haben sich die Anmeldungen um fast 2.000 Kinder reduziert. Selbst, wenn man die Kinder auf einrichtungsbezogenen Wartelisten und die Kinder, die an das Ressort zur Vermittlung weitergegeben wurden, miteinbezieht, sind unterwegs 507 Anmeldungen ‚verloren gegangen': Die Eltern benötigen zwar einen Kita-Platz, haben aber inzwischen entweder aufgegeben oder sich privat versorgt. Mittelfristig ist gut denkbar, dass sie ihren Rechtsanspruch erneut geltend machen. Ob sie dabei Erfolg haben werden, hängt stark vom Stadtteil ab. Momentan ist in vielen Stadtteilen ein erheblicher Platzmangel festzustellen, z.B. in Osterholz (115 Plätze), Blumenthal (104), Huchting (96) oder Vegesack (90). Das spiegelt die bisherige Ausbaulogik wieder: In den prekären Stadtteilen wurde weit weniger ausgebaut als in den bessergestellten Stadtteilen. Jetzt müssen die Kinder dort in Containern und ggf. größeren Gruppen betreut werden. Und selbst mit dem Ausbau im kommenden Kita-Jahr wird der Platzmangel in einigen Stadtteilen nicht beseitigt. So fehlen auch dann immer noch in einigen Stadtteilen mehrere Gruppen. Anlass zum Zurücklehnen gibt es also keinen. Zumal bis 2020 fast 2.000 Erzieherinnen und Erzieher benötigt werden - das nächste große Problem. Wir haben deshalb einen Antrag eingereicht, der verlangt, dass die Arbeitsbedingungen in den Kitas durch eine Höhergruppierung verbessert werden, um die Attraktivität zu steigern. Außerdem wäre nach wie vor sinnvoll, dass Kita-Dependancen eröffnet werden. Dafür fordern wir vom Senat die entsprechenden Anstrengungen", so Leonidakis abschließend.