8. Februar 2018

Armutsgefährdung von Familien: Kaum Hilfe durch Bundesregierung und Senat erkennbar

Die Bertelsmann-Stiftung hat eine neue Studie zur Armutsgefährdung von Familien vorgelegt, in der sie die Größe der Familie unterschiedlich gewichtet hat je nach Familieneinkommen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass ein zusätzliches Familienmitglied eine Familie mit geringem Einkommen stärker belastet als eine gut situierte Familie. Das Ergebnis ist alarmierend: Ein-Eltern-Familien haben danach ein Armutsrisiko von 68 Prozent. Vorherige Studien hatten das Armutsrisiko Alleinerziehender auf 46 Prozent beziffert. Auch das Armutsrisiko von Paarfamilien ist höher als das von kinderlosen Haushalten- und es steigt mit zunehmender Kinderzahl.

 „Dieses astronomisch hohe Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist ein absoluter Skandal. Und leider bleibt es voraussichtlich auch bei dem skandalösen Status quo, denn sowohl in Bremen als auch aus Berlin ist keine Abhilfe erkennbar", kritisiert Sofia Leonidakis. „Es darf nicht weiter hingenommen werden, dass Kinder das Armutsrisiko Nummer 1 sind! Es braucht einen grundsätzlichen Wandel in der Kinder- und Familienpolitik statt Makulatur und kosmetischen Kleinstkorrekturen“, fordert die kinderpolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Die von der angehenden Bundesregierung beabsichtigte Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro ist lächerlich. Sie hilft vielen Familien aus der Armutsfalle überhaupt nicht heraus, denn die Eltern bekommen die Erhöhung direkt vom JobCenter wieder abgezogen.  

"Kinderbetreuung zu Tagesrandzeiten, damit zum Beispiel eine alleinerziehende Pflegerin weiter arbeiten kann, lassen in Bremen -wenn es nach der rot-grünen Koalition geht- noch Jahre auf sich warten. Praktikable und wirkungsvolle Vorschläge von uns, wie die Erhöhung der Tagespflegesätze für Kinderbetreuung im Haushalt der Eltern zum Beispiel für Eltern im Schichtdienst, wurden vom Senat einfach vom Tisch gewischt.

DIE LINKE hat, ähnlich wie viele Wohlfahrtsverbände, eine sanktionsfreie Kindergrundsicherung von 573 Euro vorgeschlagen, die mit steigendem Familieneinkommen abschmilzt. „Klotzen statt kleckern beschreibt die Handlungsbedarfe jedenfalls nur annähernd", so Leonidakis abschließend.