15. Mai 2014

Tolle Rede auf zentraler Wahlkampfveranstaltung in Bremen

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Tja, die Enttäuschung war groß, als die beiden LandessprecherInnen der Bremer LINKEN, Doris Achelwilm und Dr. Christoph Spehr, den gut 300 Gästen auf dem Osterholzer Marktplatz um 15 Uhr mitteilen mussten, dass Gregor Gysi doch nicht kommen kann. Er saß bei einer Gerichtsverhandlung in Berlin fest, der er als Verteidiger beiwohnte, und die unerwartet bis zum späten Nachmittag andauerte. Via Facebook entschuldigte er sich.

Gut, dass DIE LINKE hervorragende Musiker aus dem Stadtteil am Start hatte, die das Publikum begeisterten. Und als dann Sofia Leonidakis, die Bremer Kandidatin für das EU-Parlament, ihre Rede hielt, merkte man sehr schnell, wie die Anwesenden gebannt den Worten Leonidakis lauschten. Niemand verließ vorzeitig den Platz, auch weil sie rhetorisch mindestens genauso gut reden kann wie Gysi, so die  buten un binnen-Reporterin in ihrem Fernsehbeitrag.

Die 30-Jährige ging zu Beginn ihres Redebeitrages auf ihren eigenen „Status“ ein:  „Ich bin Halbgriechin und Halbdeutsche, mein Mann kommt aus der Türkei und unser Sohn– der ist ganz Europäer!“ Das Leben ihrer Familie spiele sich somit nicht mehr innerhalb nationalstaatlicher Grenzen ab, sondern vielmehr grenzübergreifend. „Damit haben wir was gemeinsam mit vielen Menschen in Deutschland, auch hier in Osterholz. Hier wohnen Menschen aus über 80 verschiedenen Ländern.“

Die gebürtige Hessin erhob die Forderung, dass allen Europäerinnen und Europäern ein menschenwürdiges Existenzminimum zustehen und Lohndumping unterbunden werden sollte. Soziale Grundrechte sollten länderübergreifend in der EU garantiert werden. „Bildung, Wohnraum, Energie, Existenzsicherung, politische Teilhabe, das sind für uns universelle Menschenrechte. Sie gelten für jeden, denn alle Menschen sind gleich. Ich werde mich im Europaparlament einsetzen für die Stärkung sozialer Rechte, für Mindestlöhne und Mindestrenten.“

Die Linkspartei-Politikerin erinnerte zudem daran, dass Bremen eine Hochburg der Rüstungsgüterproduktion sei. „Bremer Waffenkonzerne machen ein Milliardengeschäft mit dem Tod, auch in Krisenregionen. Über Bremer Häfen werden jeden Tag 33 Tonnen an Rüstungsgütern exportiert!“

Leonidakis kritisierte ferner neben der Bundesregierung auch die Regierungen anderer EU-Staaten, die für die sogenannte Bankenrettung 4,5 Billionen Euro an Geldern und Garantien mobilisiert haben. „Es findet eine gigantische Privatisierung von öffentlichem Vermögen statt, während beispielsweise auf der anderen Seite hier in Bremen Schwimmbäder nicht mehr instand gehalten werden können. Das Gröpelinger Goosebad wurde schon dicht gemacht, als nächstes steht das Unibad auf der Schließungsliste und auch das Waller Westbad ist marode.“ Auch beanstandete  sie die europäische Schuldenbremse, die den Nationalstaaten einen rigorosen Sparkurs verordnen würde. „Die öffentlichen Haushalte müssen deswegen gekürzt werden, darüber wacht die Europäische Kommission.“

„Lasst uns aus Europa einen Raum der sozialen Sicherheit und Solidarität machen. Lasst uns aus Europa einen Raum der Bewegungsfreiheit machen. Lasst uns aus Europa einen Raum der Menschenrechte für alle machen!“, mit dieser Aufforderung beendete ihren Redebeitrag. [mh - text, fotos, video]

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