23. Mai 2014

Grenzen töten: Critica befragt junge Kandiat*innen

Quelle: www.critica-online.de

Die Critica (das Magazin unseres Studierendenverbandes SDS) hat drei junge Kandidat*innen für die Europawahlen vorgestellt.

Unter anderem auch mich.

Hier das Interview mit mir:

critica: Moin Sofia. Du bist Halbgriechin und lebst in Bremen mit einem Türken zusammen. Was bedeutet die europäische Idee für dich?
Sofia: Die europäische Idee als positive Vision bedeutet für mich die Überwindung von Grenzen, Nationalismus und Krieg. Schon privat lebe ich transnational, und auch politisch stehe ich für Solidarisierung, europa- und weltweit.

Nationalistische Grenzziehungen verhindern, dass sich die Betroffenen der gleichen Austeritäts- und Kürzungspolitik verbünden. Grenzen töten, selektieren und diskriminieren. Die EU hat mit dem Schengen-Raum und der Personenfreizügigkeit immerhin Ansätze einer grenzenlosen Region. Nach außen zieht sie die Grenzen dafür umso dichter.

critica: Du hast in Bremen mit Flüchtlingen zusammengearbeitet. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?                                                        
Sofia: Die Abschottung der EU hat für Viele dramatische Folgen. Ein syrischer Mann hatte meinen Rat gesucht, weil sein Sohn im Flüchtlingslager im Libanon hungernd, in der Kälte und absolut perspektivlos festsaß. Ich musste dem Vater sagen, dass es keinen legalen Weg für seinen Sohn gibt. Die EU vergießt Krokodilstränen angesichts der Bootsunglücke in Lampedusa oder dem Bürgerkrieg in Syrien, ändern tut sie aber nichts. Im Gegenteil, durch immer weitere Abschottungsmaßnahmen produziert sie erst, was sie scheinbar beklagt: Mindestens 20.000 Tote in den letzten zwanzig Jahren an den Außengrenzen und bis zu acht Millionen illegalisierte Einwanderinnen und Einwanderer in der EU.

critica: Du meinst, es müsste ein Aufenthaltsrecht für alle Geflüchteten geben. Wären die Probleme damit gelöst? 
Sofia: Natürlich muss die EU auch in den Herkunftsländern ansetzen. Fluchtursachen beseitigen und gute Lebensbedingungen überall schaffen, das wäre die beste aller Lösungen. In der Realität geschieht aber das Gegenteil: Es wird zum Beispiel zugelassen, dass deutsche Rüstungsfirmen autoritäre Regime mit Panzern, gegnerische Kriegsparteien mit Ausrüstung und Krisenregionen mit ganzen Waffenfabriken beliefern. Europa ist an Krieg, Tod, Vertreibung und Hunger direkt beteiligt. Solange die EU und ihre Mitgliedstaaten nicht ihre Rüstungs-, Handels-, Wirtschafts- und Agrarpolitik ändern, so lange muss Europa auch mit den Folgen klarkommen und Menschen aufnehmen, die ihre Lebensgrundlage verloren haben.

critica: Angenommen, du kommst ins Europaparlament. Was wäre deine erste Amtshandlung?  
Sofia: Hier in Bremen gäbe es erstmal eine Runde Freibier für die WahlhelferInnen. In Brüssel würde dann die Arbeit winken – in einer sicher sehr spannenden internationalen Fraktion und einem Team aus ganz Europa!