4. März 2016

Zustände in der Erstaufnahmestelle für jugendliche Geflüchtete weiterhin unbefriedigend

Foto: S. Kahl

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Video: mh

Im Juni des vergangenen Jahres besuchte die frischgewählte Bürgerschaftsabgeordnete Sofia Leonidakis die Bremer Erstaufnahmestelle für jugendliche Geflüchtete in der Steinsetzer Straße, hinter der sogenannten Erdbeerbrücke. Dieser Besuch hatte die Linkspartei-Politikerin fassungslos zurückgelassen. Bis zu 300 Personen lebten in diesem Haus auf Matratzenlagern oder kaputten Metallgestellen. Die sanitären Anlagen waren verschmutzt oder defekt. „Die gesundheitliche Versorgung ist von Jugendhilfestandards weit entfernt“, bemängelte damals Leonidakis. Als DIE LINKE die dortigen Zustände in der Öffentlichkeit thematisierte und die Medien darauf aufmerksam machte, blieb dem Senat anschließend nichts anderes übrig, als die Einrichtung vorrübergehend zu schließen, um das Haus zu sanieren.

Nachdem das Gebäude mehrere Wochen geschlossen war und der Träger im November 2015 wechselte, werden nun wieder männliche Jugendliche für maximal vier Wochen in der ehemaligen Zentralen Aufnahmestelle (ZAST) untergebracht. Aktuell leben dort 140 Jugendliche, maximal 220 junge Menschen dürfen in der Einrichtung aufgenommen werden, hat der Beirat Obervieland beschlossen. 

Sofia Leonidakis hat dem Haus nun wieder einen Besuch abgestattet, um zu prüfen, ob die Zustände sich verbessert haben. Der neue Betreiber mache einen guten Job und gäbe sich alle Mühe, den Jugendlichen ein gutes Heim zu geben, so Leonidakis nach der gut zweistündigen Stippvisite. Trotzdem seien die Bedingungen suboptimal, unter denen die Trägerin mit den Minderjährigen arbeiten müsste. „Ich bin enttäuscht, dass sich die Unterkunft nicht in einem besseren Zustand befindet“, lautete daher das Fazit der Bürgerschaftsabgeordneten. So sei das Gebäude noch immer in einem schlechten Zustand. „Durch den Boden der sanitären Räume fließt das Wasser, der Speisesaal ist immer noch viel zu klein und die Jugendlichen haben keine Aufenthaltsräume. So darf der Senat die Jugendlichen nicht unterbringen", bemängelte die Parlamentarierin. Sie erwarte, dass die Koalition schnellstmöglich mit dem Hauseigentümer ‚Annington‘ Kontakt aufnimmt, um bessere Wohnbedingungen zu schaffen.

Überrascht zeigte sich Leonidakis, dass gelegentlich auch Mädchen aufgenommen werden, aktuell zwei weibliche Minderjährige, darunter eine Neunjährige. Sie schlafen zwar in einem separaten Trakt im Untergeschoss, zum Duschen müssen sie aber in den Jungs-Bereich, begleitet von Sicherheitskräften.

Der Politikerin war nach der Begehung klar, dass das Parlament sich weiterhin mit der Örtlichkeit beschäftigen muss. [mh]